Bruchzeichen

Bruchzeichen gehen in der Jagdgeschichte bis zum Mittelalter zurück und sind somit Teil einer sehr alten Jagdtradition. Vor allem Leit- und Warnbrüche dienten früher den Jägern als Verständigungszeichen. Heute sind Bruchzeichen beispielsweise bei der Nachsuche immer noch wichtig, sagen sie dem Hundeführer doch gerade bei Abwesenheit des Schützen einiges über die zu erwartende Nachsuche.

Man unterteilt die Brüche in die Verständigungsbrüche und die Streckenbrüche. Alle Brüche werden immer gebrochen und nicht geschnitten. Spezielle Brüche werden befegt, d.h. mit dem Messer bearbeitet. Brüche werden gewonnen von den fünf gerechten Holzarten Eiche, Kiefer, Fichte, Weißtanne, Roterle. Sollten diese Hölzer einmal nicht zur Verfügung stehen, können für die Streckenbrüche auch andere Holzarten genommen werden.

Hauptbruch

  „Achtung“, deutet auf irgendetwas Wichtiges hin z.B. auf einen Anschuss. Der Bruch ist armlang und auf der Oberseite des Mitteltriebes befegt.

Leitbruch

 
Aufforderung, der gewachsenen Spitze zu folgen (oft in Verbindung mit Standplatzbruch), ist halbarmlang und befegt

Anschussbruch

 

Markiert den Anschuss, ist halbarmlang, unbearbeitet (nicht befegt) und in den Boden gesteckt, an der Stelle, wo der Schütze den Anschuss gefunden hat bzw. vermutet

Unter dem Anschussbruch liegt der Fährtenbruch. Er ist ebenfalls nicht befegt. Bei einem männlichen Stück wird das gebrochene Ende in die Fluchtrichtung gelegt, beim weiblichen Stück das gewachsene Ende. Der Bruch wird geäftert, d.h. man legt hinter den Bruch einen weiteren Bruch quer zur Hauptrichtung. Zwei Querbrüche zeigen, dass der Schütze die Fluchtrichtung nicht kennt.

Wartebruch

 
Zwei gekreuzt übereinander gelegte Brüche kennzeichnen den Wartebruch. Das Warten wurde aufgegeben, wenn die Seinenäste entfernt wurden.

Warnbruch

 
Einen Bruch, der allseits befegt wurde und zum Kreis zusammengefügt wurde, bezeichnet man als Warnbruch. Er kann auch auf der Erde liegen. Achtung, Gefahr!

Standplatzbruch

  Der Standplatzbruch bezeichnet im Wald den Stellplatz der Schützen. Er besteht aus einem halbkahlen Bruch sowie einem Hauptbruch. Idealerweise zeigt dieser dem Schützen die Folge nach dem Treiben an.

Inbesitznahmebruch

 
Nimmt der Jäger ein Stück Schalenwild in Besitz, so tut er das mit dem Inbesitznahmebruch. Dazu kommt das Stück auf der rechten Seite zu liegen. Auf den Ein-/Ausschuss bzw. in Höhe des Blattes liegt der Bruch, beim männlichen Wild mit dem gebrochenen Ende und beim weiblichen Wild mit dem gewachsene Ende zum Haupt zeigend. Männliches Wild erhält noch den letzten Bissen, einen Bruch quer durch den Äser bzw. das Gebrech. Heute ist es hin und wieder üblich, auch dem weiblichen Stück den letzten Bissen zu gewähren. Auch Murmeltier und Auerhahn bekommen den letzten Bissen.

 

Erlegerbruch

Der Erlegerbruch wird auch Schützenbruch genannt. Er wird an den Hut gesteckt. Bei der Einzeljagd macht dies der Erleger und bei der Gesellschaftsjagd verteilt der Jagdleiter die Brüche. Der etwa handlange Erlegerbruch wird durch den Schweiss des erlegten Stückes gezogen und auf dem blanken Waidblatt bzw. dem Jagdhut mit dem Wort "Weidmannsheil" überreicht. Der Erleger nimmt den Bruch mit der rechten Hand und "Weidmannsdank" entgegen. Der Erlegerbruch wird rechts am Hut getragen. Nach einer erfolgreichen Nachsuche bricht der Erleger einen Teil des Bruches ab und überreicht ihn dem Hundeführer. Dieser befestigt den Bruch an der Halsung seines Hundes.

Quelle Bilder: E. O.Pieper